Der Frühling ist der klassische Aufhänger für das Thema Parasitenschutz. Zeckenaktivität folgt jedoch keiner einheitlichen Sieben-Grad-Grenze: Sie hängt von Art, Mikroklima und Witterung ab, und die Auwaldzecke kann bereits bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt aktiv sein. Veränderte Witterung, Wirtsdichte, Landnutzung und Tierverkehr beeinflussen die Verbreitung. Flöhe können sich in beheizten Wohnungen ohnehin ganzjährig vermehren. Der Schutz Ihres Tieres ist deshalb kein reines Frühjahrsthema.
Welche Krankheiten Zecken und Flöhe übertragen
Der eigentliche Grund für den Schutz ist nicht der Juckreiz: Zecken und Flöhe übertragen Krankheitserreger, von denen einige ernsthaft bis lebensbedrohlich verlaufen. Welche davon für Ihr Tier relevant sind, hängt stark davon ab, welche Zeckenart zusticht. In Deutschland und speziell in Bayern spielen vor allem drei Zeckenarten eine Rolle, dazu der Floh.
Zeckenkunde
Die drei wichtigsten Zecken bei uns
Woran Sie die Arten erkennen — und welche Erreger sie übertragen.

Gemeiner Holzbock
Ixodes ricinus
Rötlich-brauner Körper mit dunklem Rückenschild, ohne auffällige Zeichnung. Mit Abstand die häufigste Zecke bei uns.
Überträgt: Borreliose, Anaplasmose, FSME

Auwaldzecke
Dermacentor reticulatus
Größer, mit hell marmoriertem Rückenschild. Kältetolerant und deutlich auf dem Vormarsch.
Überträgt: Babesiose („Hundemalaria“)

Braune Hundezecke
Rhipicephalus sanguineus
Einheitlich rotbraun und länglich. Wärmeliebend, meist ein Reisemitbringsel — überlebt sogar in geheizten Wohnungen.
Überträgt: v. a. Mittelmeerkrankheiten
Fotos über Wikimedia Commons: Ixodes ricinus © Holger Krisp, CC BY 3.0; Dermacentor reticulatus © AfroBrazilian, CC BY-SA 4.0; Rhipicephalus sanguineus, gemeinfrei.
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus)
Der Gemeine Holzbock ist die mit Abstand häufigste Zecke bei uns. Er ist typischerweise von März bis Juni und noch einmal von September bis November besonders aktiv. Er überträgt mehrere Erreger:
- Lyme-Borreliose (Erreger: Bakterium Borrelia burgdorferi): Beim Hund kann sie zu Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollenen Gelenken und wechselnder Lahmheit führen. Wichtig zu wissen: Die Borrelien sitzen zunächst im Darm der Zecke und wandern erst im Laufe des Blutsaugens – meist erst nach etwa 24 Stunden – in die Speicheldrüsen. Wer die Zecke früh entfernt, senkt das Infektionsrisiko deutlich.
- Anaplasmose (Erreger: Bakterium Anaplasma phagocytophilum): Sie kann Fieber, Mattigkeit, Gelenkbeschwerden und Veränderungen im Blutbild auslösen. Auch hier vergeht in der Regel etwa ein Tag Saugzeit bis zur Übertragung.
- FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Virusinfektion des zentralen Nervensystems): Bei Hund und Katze sind klinische Erkrankungen selten. Für Menschen gilt 2026 nahezu ganz Bayern als Risikogebiet: 95 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte, mit Ausnahme der Stadt Schweinfurt.1 Das Virus kann sehr früh während des Saugakts übertragen werden; rasches Entfernen verhindert eine FSME-Übertragung deshalb nicht zuverlässig, bleibt aber wegen anderer Erreger wichtig.
Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) – auf dem Vormarsch
Diese Zecke verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie sich in Deutschland spürbar ausbreitet. In den 1960er- und 1970er-Jahren war die Auwaldzecke noch selten; heute ist sie in allen 16 Bundesländern nachgewiesen und gilt als zweithäufigste Zeckenart beim Hund. Zwei Eigenschaften machen sie tückisch: Sie ist ausgesprochen kältetolerant und bei günstiger Witterung von Februar bis Dezember aktiv, teils schon nahe dem Gefrierpunkt. Klassischer Zeckenschutz nach dem Kalender greift bei ihr also zu kurz.
Ihre eigentliche Gefahr ist die Erkrankung, die sie überträgt: die Babesiose, umgangssprachlich „Hundemalaria" (Erreger: der Blutparasit Babesia canis). Diese Einzeller befallen die roten Blutkörperchen und zerstören sie. Typische Anzeichen sind hohes Fieber (über 40 °C), Mattigkeit, blasse oder gelbliche Schleimhäute, Blutarmut (Anämie) und ein auffällig dunkel bis rötlich verfärbter Urin. Die Erkrankung kann sehr rasch und schwer verlaufen und endet unbehandelt nicht selten tödlich. Erste Beschwerden zeigen sich meist innerhalb von wenigen Tagen bis rund drei Wochen nach dem Stich.
Babesiose ist keine reine „Reisekrankheit" mehr: Autochthone Infektionen und infizierte Auwaldzecken sind aus Deutschland bekannt. Ein 2024 publizierter Zeckenfund aus Fürth belegt allerdings kein lokales Endemiegebiet: Die Zecke saß auf einem Hund, der am Vortag aus dem Breisgau zurückgekehrt war, und wurde wahrscheinlich dorthin transportiert.2 Die Studie zeigt damit sowohl die weitere Bedeutung etablierter deutscher Gebiete als auch, wie leicht Hunde Zecken zwischen Regionen verschleppen können.
Braune Hundezecke und Flöhe
Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) ist bei uns meist ein Reisemitbringsel aus dem Süden. Als wärmeliebende Art überlebt sie in beheizten Wohnungen und kann dort ganze Bestände aufbauen – ein Grund, Ihren Hund nach dem Urlaub gründlich abzusuchen.
Flöhe (beim Hund und der Katze fast immer der Katzenfloh, Ctenocephalides felis) verursachen mehr als nur Juckreiz. Viele Tiere reagieren auf den Flohspeichel mit einer heftigen allergischen Hautentzündung (Flohspeichelallergie) – hier genügen wenige Stiche für großes Leid. Außerdem übertragen Flöhe den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum), wenn das Tier beim Putzen einen Floh verschluckt. Da Flöhe in unseren geheizten Wohnungen ganzjährig überleben, ist ihr Befall keineswegs auf den Sommer beschränkt.

Steckbrief
Der Floh
Ctenocephalides felis (Katzenfloh)
Ein seitlich abgeflachter, flügelloser Springer von nur 1 bis 3 mm Größe. Bei Hund und Katze ist es fast immer der Katzenfloh. Weil er in geheizten Wohnungen ganzjährig überlebt, ist ein Befall nicht auf den Sommer beschränkt.
Bedeutung: löst die Flohspeichelallergie aus und überträgt den Gurkenkernbandwurm
Foto über Wikimedia Commons: Ctenocephalides felis © Katja ZSM, CC BY-SA 3.0.
Ganzjährig oder saisonal? Wann Schutz nötig ist
Fachgesellschaften wie ESCCAP Deutschland empfehlen, den Schutz am individuellen Risiko auszurichten. Für viele Hunde und Freigängerkatzen – gerade solche, die viel im Grünen unterwegs sind, und solche in Regionen mit Auwaldzecke und Babesiose – ist ein ganzjähriger Schutz sinnvoll. Für Tiere mit geringerem Risiko kann ein saisonaler Schutz über die aktivste Zeckenzeit ausreichen. Entscheidend ist, dass die Anwendungsintervalle lückenlos eingehalten werden: Wirkt ein Präparat vier Wochen, muss es alle vier Wochen aufgefrischt werden. Welcher Weg für Ihr Tier der richtige ist, klären wir gerne gemeinsam.
Welche Mittel gibt es – und was sie leisten
Zwei Wirkprinzipien sollte man auseinanderhalten:
- Akarizid wirkende Mittel töten die Zecke, nachdem sie sich angeheftet und zu saugen begonnen hat.
- Repellierende (abweisende) Mittel sollen das Anstechen von vornherein verhindern.
Für die Praxis heißt das: Akarizide Präparate können das Übertragungsrisiko reduzieren, verhindern eine Infektion aber nicht vollständig; entscheidend sind unter anderem Abtötungsgeschwindigkeit, korrekte Anwendung und der jeweilige Erreger. Bei sehr früh übertragbaren Erregern kann ein repellierender Effekt zusätzlichen Nutzen bieten.3
Die gängigen Präparateklassen im Überblick:
- Kautabletten (Wirkstoffklasse der Isoxazoline, z. B. Afoxolaner, Fluralaner, Sarolaner): Sie wirken systemisch, akarizid und insektizid und töten Zecken beziehungsweise Flöhe nach dem Anheften oder der Blutmahlzeit. Je nach Präparat wirken sie einen bis mehrere Monate. Baden vermindert die systemische Wirkung üblicherweise nicht; sie wirken jedoch nicht abweisend.
- Spot-on-Präparate: werden im Nacken aufgetragen, wirken meist etwa vier Wochen; je nach Wirkstoff auch mit repellierendem Effekt.
- Halsbänder: bieten Langzeitschutz über mehrere Monate, teils mit abweisender Wirkung – wichtig ist der richtige Sitz.
- Natürliche Mittel (z. B. Kokos- oder Schwarzkümmelöl): werden häufig nachgefragt, bieten nach aktueller Datenlage aber keinen verlässlichen Schutz. Als alleinige Maßnahme raten wir davon ab.
Wichtige Warnung: Verwenden Sie bei Katzen nur ausdrücklich für Katzen zugelassene Präparate. Besonders permethrinhaltige Hundeprodukte und andere nicht für Katzen zugelassene konzentrierte Pyrethroidpräparate können schwere, tödliche Vergiftungen verursachen. Bei Mehrtier-Haushalten sind auch die Hinweise zum Kontakt zwischen frisch behandelten Hunden und Katzen zu beachten.
Zecke richtig entfernen
Trotz bestem Schutz kann sich einmal eine Zecke festbeißen. So gehen Sie vor:
- Fassen Sie die Zecke mit einer Zeckenzange oder -karte möglichst hautnah, direkt am Kopf.
- Ziehen Sie sie langsam und gerade heraus – nicht drehen, nicht quetschen und die Zecke nicht mit Öl oder Klebstoff „ersticken".
- Desinfizieren Sie anschließend die Einstichstelle.
- Beobachten Sie die Stelle in den folgenden Tagen und Wochen: Rötung, Schwellung, Fieber, Mattigkeit, Lahmheit oder verfärbter Urin sind gute Gründe, uns aufzusuchen.
Individuelle Beratung in unserer Praxis
Welches Präparat und welcher Rhythmus passen, hängt von Tierart, Alter, Vorerkrankungen, Lebensweise und Reiseverhalten ab. Besteht der Verdacht auf eine durch Zecken übertragene Erkrankung, können Basislaborwerte erste Hinweise liefern; erregerspezifische Tests erfolgen je nach Fragestellung vor Ort oder über ein Referenzlabor.
Kurz gesagt
- Parasitenschutz ist kein reines Frühjahrsthema – Auwaldzecke und Wohnungsflöhe sind fast ganzjährig aktiv.
- Wichtiger als der Kalender ist das lückenlose Intervall: Wirkt ein Mittel vier Wochen, muss es alle vier Wochen aufgefrischt werden.
- Für Katzen nur ausdrücklich für Katzen zugelassene Mittel verwenden – permethrinhaltige Hundeprodukte können tödlich sein.
- Eine früh entfernte Zecke senkt das Infektionsrisiko: hautnah fassen, gerade herausziehen, nicht quetschen.
Weitere Quellen:
- ESCCAP Deutschland: Basisvorsorge und Babesiose beim Hund.


