Zurück zum Ratgeber

Saisonales

Hitze und Haustiere: Tipps für den Sommer

Ein Hitzschlag ist ein tiermedizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Bei einem überhitzten Hund sollte die Kühlung sofort beginnen, während Praxis und Transport organisiert werden. Was Tierhalter außerdem an Isar, Westpark und Südpark beachten sollten.

Hitze und Haustiere: Tipps für den Sommer

Steigen im Sommer die Temperaturen, geraten Hunde, Katzen und Kleintiere schneller in Gefahr als ihre Halterinnen und Halter. Der Grund liegt in der Thermoregulation – der Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur konstant zu halten. Hunde können nur begrenzt schwitzen und geben Wärme vor allem über das Hecheln ab. Katzen regulieren ihre Temperatur stärker über Verhalten, Fellpflege und Wärmeabgabe an die Umgebung; Hecheln oder Atmen mit offenem Maul ist bei ihnen kein normales Kühlverhalten. Bei hoher Außentemperatur oder Luftfeuchtigkeit können diese Mechanismen versagen – der Körper überhitzt.

Warum Überhitzung so gefährlich ist

Ein Hitzschlag ist eine schwere, nicht fieberbedingte Überhitzung mit neurologischen oder anderen systemischen Funktionsstörungen. Körpertemperaturen über etwa 41 °C sind typisch, aber keine zwingende Voraussetzung für die Diagnose: Nach bereits begonnener Kühlung oder bei Kreislaufschock kann die gemessene Temperatur niedriger sein. Die Hyperthermie kann das zentrale Nervensystem, die Nieren, die Leber, den Darm und die Blutgerinnung schädigen und zu Multiorganversagen führen.1

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Hitzschlag vor allem im heißen Auto passiert. In einer großen britischen Untersuchung entfielen unter 879 hitzebedingten Krankheitsereignissen mit bekanntem Auslöser 74,2 Prozent auf körperliche Belastung und 5,2 Prozent auf den Aufenthalt in einem Fahrzeug.2 Bewegung bei Hitze ist damit ein wesentliches Risiko – nicht nur das geparkte Auto.

Hitzschlag erkennen

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall. Achten Sie auf diese Anzeichen:

  • Starkes, anhaltendes Hecheln, vermehrtes Speicheln
  • Bei der Katze: Hecheln oder Atmung mit offenem Maul, besonders in Ruhe oder anhaltend
  • Dunkelrote oder trockene Schleimhäute (Zahnfleisch)
  • Taumeln, Unruhe, gestreckter Hals, Schwäche, Desorientierung
  • Erbrechen oder Durchfall (teils blutig)
  • Krämpfe, Zusammenbruch, Bewusstlosigkeit

Erste Hilfe: erst kühlen, dann fahren

Der frühere Rat, nur mit lauwarmem Wasser zu kühlen und die Kühlung bis zur Ankunft in der Praxis aufzuschieben, gilt als überholt. Die heute empfohlene Kernaussage lautet „cool first, transport second“: Beginnen Sie sofort mit einer wirksamen Kühlung, rufen Sie parallel die Praxis oder den Notdienst an und organisieren Sie ohne vermeidbare Verzögerung den Transport.3

Die Kühlung vor dem Transport wird noch zu selten begonnen: In einer britischen Aktenauswertung war nur bei 74 von 341 Fällen mit dokumentierter Kühlungsinformation – 21,7 Prozent – eine Kühlung vor dem Transport vermerkt.3 Versuchen Sie zu Hause nicht, einen bestimmten Temperaturwert zu erzwingen oder den Transport dafür aufzuschieben. Entscheidend sind sofortiger Kühlbeginn, telefonische Anleitung und eine rasche tierärztliche Versorgung.

So kühlen Sie richtig:

  • Bei jungen, ansonsten gesunden und ansprechbaren Hunden: großzügig mit kühlem bis kaltem Leitungswasser übergießen oder – sofern sicher möglich – in Wasser eintauchen. Kaltes Wasser ist bei einem wachen Hund nicht grundsätzlich verboten; wichtig sind eine wirksame Kühlung und der sichere Umgang mit dem Tier.3
  • Bei älteren Hunden, Welpen oder Tieren mit Vorerkrankungen: sanfter kühlen durch Benetzen mit Wasser und gleichzeitige Luftbewegung (Ventilator, Fahrtwind, Zugluft). Diese sogenannte evaporative Kühlung (Verdunstungskühlung) ist hier schonender.
  • Nasse Handtücher nicht dauerhaft auflegen: Ein aufliegendes Tuch erwärmt sich rasch und staut dann die Wärme, statt sie abzuleiten. Wenn Sie Tücher nutzen, wechseln oder durchnässen Sie sie immer wieder und lassen Sie Luft an das Tier.
  • Kühles Trinkwasser in kleinen Mengen anbieten, aber nicht aufzwingen.
  • Bringen Sie das Tier zusätzlich sofort in den Schatten und rufen Sie parallel die Praxis an – so ist man auf Ihr Kommen vorbereitet. Kühlen und Transport schließen sich nicht aus: Beginnen Sie mit dem Kühlen und fahren Sie, sobald möglich.

Wer besonders gefährdet ist

Manche Tiere überhitzen deutlich schneller. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit) – Rassen mit flacher Schnauze wie Mops, Französische und Englische Bulldogge. Verengte obere Atemwege können das kühlende Hecheln erheblich erschweren. In der VetCompass-Auswertung waren die Odds für hitzebedingte Erkrankungen bei kurzköpfigen Hunden je nach Auslöser unterschiedlich stark erhöht; eine pauschale „doppelte Wahrscheinlichkeit“ lässt sich daraus nicht ableiten.2
  • Übergewicht, das die Wärmeabgabe zusätzlich behindert
  • Hohes Alter und sehr junge Tiere
  • Herz- und Atemwegserkrankungen
  • Dichtes oder dunkles Fell sowie ungewohnte körperliche Belastung an warmen Tagen

Bei diesen Tieren ist an heißen Tagen besondere Zurückhaltung geboten.

Hunde sicher durch den Sommer bringen

  • Spaziergänge in die kühlen Morgen- und Abendstunden legen. Asphalt kann sich in der Sonne stark aufheizen und die Pfotenballen verbrennen. Prüfen Sie den Untergrund vorsichtig; die verbreitete Fünf-Sekunden-Handregel ist nur eine grobe Vorsichtsregel und kein validierter Temperaturtest.
  • Belastung vermeiden: Auf Ballspiele, Radbegleitung und lange Wanderungen bei Hitze verzichten – körperliche Anstrengung ist die häufigste Ursache.
  • Immer Wasser dabeihaben. Bei Hitze steigt der Bedarf deutlich; eine faltbare Reiseschüssel gehört in jede Tasche.
  • Niemals im Auto lassen – auch nicht kurz und nicht bei gekipptem Fenster. Der Innenraum kann sich bereits bei mäßigen Außentemperaturen innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich aufheizen.
  • Schwimmen kann abkühlen, aber ein Fluss ist kein ungefährliches Planschbecken. Meiden Sie außerdem Gewässer mit Blaualgen-Warnung oder auffälligen Schlieren und Algenmatten.

Sommer im Münchner Süden: schattige Wege und eine Pfotenpause an der Isar

Mit Westpark, Südpark und den Isarauen liegen im Münchner Süden viele schöne Wege direkt vor der Haustür. An heißen Tagen lohnt es sich trotzdem, früh aufzubrechen oder die größere Runde auf den Abend zu verschieben. Unter den Bäumen im Südpark und Sendlinger Wald finden sich angenehm schattige Abschnitte – ideal für eine ruhige Runde mit Trinkpause, nicht für sportliche Höchstleistungen.4

Viele Hunde lieben im Sommer einen Abstecher an die Isar oder zum Flaucher. Nicht jeder Hund muss dafür richtig schwimmen: Oft reicht es schon, an einer ruhigen, flachen Stelle mit den Pfoten ins Wasser zu gehen. Lassen Sie Ihren Hund selbst entscheiden, wie weit er hineinmöchte, und behalten Sie ihn in Ufernähe. Nach kräftigem Regen, bei Hochwasser oder deutlich spürbarer Strömung bleibt man besser gemeinsam an Land; auch Wehre und ausgeschilderte Gefahrenstellen sind keine Badestellen.5

Nehmen Sie eigenes Trinkwasser und einen Napf mit, damit der Hund seinen Durst nicht aus der Isar oder einem Parkgewässer stillt. Bei längeren Bade- und Apportierspielen sind kleine Pausen sinnvoll – besonders bei Hunden, die beim Schwimmen viel Wasser schlucken. Bälle oder Stöcke sollten nie in die Strömung geworfen werden.

Wirkt das Wasser grünlich oder rötlich trüb, bilden sich Schlieren oder auffällige Algenmatten, verzichten Sie auf die Abkühlung. Cyanobakterien, umgangssprachlich Blaualgen, können für Hunde gefährlich werden, wenn belastetes Wasser getrunken oder später vom Fell abgeleckt wird. Nach einem möglichen Kontakt den Hund mit sauberem Wasser abspülen und sicherheitshalber tierärztlich Rücksprache halten.6

Katzen im Sommer

  • Stellen Sie mehrere Wassernäpfe an kühlen, schattigen Plätzen auf; ein Trinkbrunnen animiert trinkfaule Katzen.
  • Verdunkeln Sie tagsüber die Fenster auf der Sonnenseite.
  • Bieten Sie kühle Rückzugsorte an, etwa geflieste Böden.
  • Wichtig: Hecheln beziehungsweise Maulatmung ist bei Katzen ungewöhnlich und kann auf Überhitzung, Stress sowie eine Atemwegs- oder Herzerkrankung hinweisen. Tritt es in Ruhe auf, hält es an oder wirkt die Katze beeinträchtigt, suchen Sie umgehend tierärztlichen Rat.

Kaninchen und Meerschweinchen schützen

Kaninchen und Meerschweinchen sind besonders hitzeempfindlich. Schon Temperaturen im mittleren Zwanzigerbereich können je nach Luftfeuchte, Luftbewegung, Gesundheitszustand und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten problematisch werden. Beobachten Sie die Tiere an warmen Tagen engmaschig:

  • Außengehege ganztägig beschatten – bedenken Sie, dass die Sonne wandert.
  • Kühlakkus oder feuchte Fliesen und Steinplatten als Kühlfläche anbieten (Akkus in ein Tuch wickeln).
  • Mehrmals täglich frisches Wasser bereitstellen.
  • Kein Gehege in der prallen Sonne, etwa auf dem Balkon.

Im Zweifel lieber anrufen

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Tier unter der Hitze leidet, zögern Sie nicht. Ein Hitzschlag verschlechtert sich innerhalb von Minuten – lieber einmal zu früh anrufen als zu spät. In der Tierarztpraxis Siems erreichen Sie uns während der Sprechzeiten unter 089 / 78 58 22 00, außerhalb in dringenden Fällen unter der Notfallnummer 0171 / 372 89 93. Was im Notfall zu tun ist, lesen Sie auch auf unserer Notfall-Seite.

Kurz gesagt

  • Bei Hitzenot gilt „erst kühlen, dann fahren“: sofort mit kühlem Wasser beginnen und parallel die Praxis anrufen.
  • Die häufigste Ursache ist körperliche Belastung bei Hitze – nicht nur das geparkte Auto.
  • Kurzköpfige, übergewichtige, alte und herz- oder atemwegskranke Tiere sind besonders gefährdet.
  • Bei Katzen ist Hecheln in Ruhe ein Alarmzeichen und immer ein Grund, rasch Rat zu holen.

Quellen und Fußnoten

  1. Bruchim Y et al. (2017): „Heat Stroke in Dogs“. Temperature. Volltext; Cornell University College of Veterinary Medicine: Heatstroke: A medical emergency.

  2. Hall EJ, Carter AJ, O'Neill DG (2020): „Dogs Don't Die Just in Hot Cars“. Animals 10(8):1324. Volltext. 2

  3. Hall EJ et al. (2023): „Cooling Methods Used to Manage Heat-Related Illness in Dogs“. Veterinary Sciences 10(7):448. Volltext; Royal Veterinary College: Cool first, transport second. 2 3

  4. Landeshauptstadt München: Sendlinger Wald/Südpark; muenchen.de: Südpark – zahlreiche Bäume und schattige Wege.

  5. Landeshauptstadt München: Isar – Fluss erleben in der Stadt; muenchen.de: Hinweise zum sicheren Baden in der Isar und Flaucher; Isarportal mit aktuellen Hinweisen.

  6. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Cyanobakterien („Blaualgen“).

Artikel teilenWhatsAppE-Mail

Fragen zur Gesundheit Ihres Tieres?

Wir sind Ihre Tierarztpraxis am Westpark in München und nehmen uns Zeit für Ihr Tier — vereinbaren Sie einfach einen Termin.

Kommentare

Haben Sie Erfahrungen oder eine Frage zum Artikel? Kommentare werden vor der Veröffentlichung von uns geprüft.

Kommentar schreiben