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Saisonales

Mit Hund in den Urlaub: Die tierärztliche Reise-Checkliste

EU-Heimtierausweis, Tollwutimpfung, Schutz vor Sandmücken und Zecken: Was Sie vor der Reise mit Ihrem Hund wirklich organisieren müssen – und warum manche Vorbereitungen mehrere Wochen Vorlauf brauchen.

Ob Mittelmeer oder Skandinavien – wenn der Hund mitreist, entscheiden ein paar Wochen Vorlauf oft darüber, ob die Reise entspannt verläuft. Manche Vorbereitungen sind Pflicht, andere schützen vor Erregern, deren Verbreitung und Übertragungsrisiko sich regional deutlich unterscheiden. Planen Sie den Tierarztbesuch deshalb möglichst frühzeitig; je nach Ziel können mehrere Monate Vorlauf nötig sein.

Reise-Check: Regeln und Zeitplan für Ihr Ziel

Wählen Sie Ihr Reiseland – und mit dem optionalen Abreisedatum sehen Sie sofort, welche Nachweise nötig sind und bis wann Sie was erledigen sollten. Die anschließenden Abschnitte erklären die Hintergründe.

Reise-Check

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Gesundheitsrisikogeringmittelhoch
Tollwutschutz Ihres Tieres

Die Pflichtdokumente für Reisen innerhalb der EU

Für Reisen innerhalb der EU braucht Ihr Hund grundsätzlich folgende Nachweise:1

  • Kennzeichnung: Üblicher Standard ist ein Mikrochip mit eindeutiger Nummer. Eine gut lesbare Tätowierung bleibt ausnahmsweise gültig, wenn sie nachweislich vor dem 3. Juli 2011 angebracht wurde.
  • EU-Heimtierausweis: Dieses Heft dokumentiert Kennzeichnung, Impfungen und gegebenenfalls Behandlungen. Es kann den Hund dauerhaft begleiten, solange die Einträge vollständig und die erforderlichen Impfungen gültig bleiben.
  • Gültige Tollwutimpfung: Sie ist der Kern der Einreiseregeln. Eine Erstimpfung wird erst 21 Tage nach der Injektion gültig – so lange braucht der Impfstoff, um einen belastbaren Schutz aufzubauen. Wer erst in der Woche vor der Abreise impfen lässt, darf womöglich nicht einreisen. Wird sie lückenlos aufgefrischt (vor Ablauf der eingetragenen Gültigkeit), bleibt der Schutz durchgehend bestehen – die 21-Tage-Frist entfällt dann. Die Reihenfolge zählt dabei: Eine Tollwutimpfung vor dem Setzen des Chips gilt formal nicht.

Sonderregeln: die Bandwurmbehandlung

Finnland, Irland, Malta, Norwegen und Nordirland verlangen nach den EU-Reiseregeln eine dokumentierte Behandlung gegen den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Für England, Schottland und Wales gelten entsprechende, aber gesonderte britische Einreisebestimmungen.12 Die Behandlung muss

  • einen Wirkstoff gegen Bandwürmer enthalten (in der Regel Praziquantel),
  • frühestens 120 und spätestens 24 Stunden vor der Einreise (also ein bis fünf Tage vorher) durch einen Tierarzt erfolgen und
  • mit Datum und Uhrzeit im Heimtierausweis eingetragen werden.

Sie kann häufig bereits vor der Abreise in Deutschland erfolgen. Ausnahmen gelten unter anderem für bestimmte direkte Reisen zwischen den genannten bandwurmfreien Gebieten; prüfen Sie deshalb vor jeder Fahrt die aktuelle amtliche Regelung. Dänemark gehört nicht zu den Staaten mit dieser Einreisevorgabe.

Reiseziele außerhalb der EU: die Tollwut-Titerbestimmung

Für die Rückkehr aus einem nicht gelisteten Drittland reicht die Impfung allein nicht. Dann ist grundsätzlich eine Tollwut-Titerbestimmung nötig: eine Blutuntersuchung in einem zugelassenen Labor, die mindestens 0,5 IU/ml nachweist. Zusätzlich gelten immer die Einfuhrregeln des Ziellandes; bei manchen Drittstaaten sind weitere Dokumente oder Fristen vorgeschrieben.1

  • Nach einer Erstimpfung erfolgt die Blutentnahme frühestens 30 Tage später. Bestand bereits eine gültige Tollwutimpfung, kann für die konkrete Reise eine andere Frist gelten.
  • Danach eine Wartefrist von drei Monaten bis zur Einreise in die EU.

Dieser Weg kann mehrere Monate dauern – planen Sie ihn früh. Wurde ein ausreichender Titer bereits vor der Ausreise bestimmt und korrekt im Heimtierausweis dokumentiert, entfällt bei der Rückkehr die dreimonatige Wartefrist. Bei lückenloser Nachimpfung muss der erfolgreiche Test für spätere Reisen in der Regel nicht wiederholt werden.1

Gesundheitsrisiken am Urlaubsort: die „Mittelmeerkrankheiten"

Im Mittelmeerraum – Spanien, Italien, Südfrankreich, Griechenland, Kroatien – und in Teilen Südosteuropas übertragen Insekten und Zecken wichtige Erreger. Einige davon kommen inzwischen auch in Deutschland vor; Art und Höhe des Risikos unterscheiden sich jedoch nach Region, Jahreszeit und Reiseverlauf.3 Vier Erkrankungen sind besonders relevant:

  • Leishmaniose – Erreger: Leishmania infantum, ein einzelliger Parasit. Vektor: Sandmücken (Phlebotomen), die vor allem in der Dämmerung und nachts stechen. Sie kann Haut, innere Organe und Gelenke betreffen und erst Monate bis Jahre später ausbrechen.
  • Babesiose – oft „Hundemalaria" genannt. Erreger: Babesia canis u. a., die rote Blutkörperchen zerstören und so zu Blutarmut und Fieber führen. Vektor: Zecken der Gattungen Dermacentor und Rhipicephalus.
  • Ehrlichiose – Erreger: Ehrlichia canis, ein Bakterium, das weiße Blutkörperchen befällt. Vektor: die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).
  • Herzwurmerkrankung (Dirofilariose) – Erreger: Dirofilaria immitis, ein Fadenwurm, dessen erwachsene Formen in Herz und Lungengefäßen leben. Vektor: Stechmücken.

Repellieren oder abtöten? Was der Schutz leisten muss

Beim Parasitenschutz kommen zwei unterschiedliche Wirkprinzipien zum Einsatz:

  • Repellierend bedeutet abwehrend: Der Wirkstoff soll das Anstechen durch Insekten und Zecken reduzieren. Gegen Sandmücken ist dieser Schutz besonders wichtig, kann Stiche und eine Erregerübertragung aber nicht vollständig ausschließen.
  • Abtötend bedeutet, dass der Parasit erst nach dem Stich stirbt. Der verbreitete Wirkstoff Fipronil etwa wirkt abtötend, aber nicht repellierend – gegen Sandmücken bietet er daher keinen Schutz.

Für Reisen in Leishmaniose-Endemiegebiete werden deshalb für Hunde zugelassene Präparate mit repellierender Wirkung empfohlen, zum Beispiel bestimmte Halsbänder oder Spot-on-Präparate. Welcher Wirkstoff geeignet ist und wie lange vor Reisebeginn er angewendet werden muss, richtet sich nach der jeweiligen Zulassung. Wichtig für Mehrtier-Haushalte: Permethrinhaltige Hundepräparate sind für Katzen hochgiftig und dürfen nicht bei ihnen angewendet werden.3

Herzwurm – Schutz nach Reiseprofil: Die Prophylaxe (sogenannte makrozyklische Laktone) wirkt rückwirkend gegen die jungen Larvenstadien der vorausgegangenen Wochen – sie wird deshalb nach dem Aufenthalt im Risikogebiet gegeben, nicht vorher. Bei einem Aufenthalt bis zu einem Monat kann nach ESCCAP je nach Präparat eine einzige Gabe kurz nach der Rückkehr genügen. Bei längeren Aufenthalten beginnt die Prophylaxe spätestens innerhalb von 30 Tagen nach Einreise ins Risikogebiet und endet mit einer letzten Gabe innerhalb eines Monats nach Verlassen des Gebiets. Das genaue Schema richtet sich nach Präparat, Reisedauer und individueller Situation.3

Leishmaniose-Impfung: Für Hunde, die wiederholt oder länger in Endemiegebiete reisen, kann eine Impfung erwogen werden. Sie ersetzt den Sandmückenschutz nicht. Impfschema und Beginn des Schutzes sind produktabhängig; bei einem aktuell zugelassenen Impfstoff besteht das Grundschema aus einer Dosis, der Schutz beginnt vier Wochen später. Vor der Impfung sollte eine bestehende Infektion ausgeschlossen werden.4

Die Reiseapotheke

  • Zeckenzange und Desinfektionsmittel
  • Wundsalbe und Verbandsmaterial für kleine Verletzungen
  • Mittel gegen Reiseübelkeit (vorab abstimmen)
  • Dauermedikamente in ausreichender Menge – plus Reserve
  • Kopie des Heimtierausweises sowie Adresse und Telefonnummer einer Tierarztpraxis am Urlaubsort

Während der Fahrt

  • Lange Autofahrten in die kühlen Morgen- oder Abendstunden legen und alle zwei bis drei Stunden Pause machen.
  • Wasser und Napf griffbereit halten und nicht direkt vor der Abfahrt füttern.
  • Den Hund niemals allein im geparkten Auto lassen – schon bei mäßigen Außentemperaturen droht ein Hitzschlag.

Nach der Reise: Symptome auch Monate später

Reisekrankheiten können erst Wochen, Monate oder teils noch später auffallen. Zeigt Ihr Hund nach einem Urlaub im Süden Fieber, Mattigkeit, Gewichtsverlust, Nasenbluten, Hautveränderungen oder Lahmheit, nennen Sie beim Tierarztbesuch unbedingt das Reiseziel. Diese Reiseanamnese ist ein zentraler Baustein der Diagnose. Blutbild und Blutchemie können unspezifische Veränderungen zeigen; für einen gezielten Nachweis sind je nach Verdacht Antigen-, Antikörper- oder PCR-Tests erforderlich.

Praxishinweis: In der Tierarztpraxis Siems stellen wir EU-Heimtierausweise aus, setzen Mikrochips und impfen. Basislaborwerte können wir im Haus bestimmen; erregerspezifische Untersuchungen erfolgen je nach Test vor Ort oder über ein Referenzlabor. Bringen Sie Reiseziel, Reisedauer und geplante Route möglichst frühzeitig zum Beratungstermin mit.

Quellen und Fußnoten

  1. Europäische Union / Your Europe: EU-Vorschriften für Reisen mit Haustieren. Rechtsstand der Prüfung: 18. Juli 2026. 2 3 4

  2. GOV.UK: Tapeworm treatment for dogs travelling to Great Britain. Rechtsstand der Prüfung: 18. Juli 2026.

  3. ESCCAP (2024): Guideline 5, „Control of Vector-Borne Diseases in Dogs and Cats“. PDF; ESCCAP Deutschland: Reisetest. 2 3

  4. Europäische Arzneimittel-Datenbank: LetiFend – Produktinformation.

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Kommentare (1)

Haben Sie Erfahrungen oder eine Frage zum Artikel? Kommentare werden vor der Veröffentlichung von uns geprüft.

  • Familie Wagner · 10. Juni 2026

    Wir planen im August eine Reise nach Italien mit unserem Hund Fips. Was ist wirklich Pflicht – reicht der EU-Heimtierausweis und der Chip? Und brauchen wir zwingend die Bandwurm-Tablette vor der Einreise?

    Laura WichmannPraxisteam · 11. Juni 2026

    Für Italien brauchen Sie drei Dinge sicher: einen EU-Heimtierausweis, einen ablesbaren Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Wichtig beim Timing – bei einer Erstimpfung muss diese mindestens 21 Tage vor der Einreise erfolgt sein, sonst gilt der Schutz noch nicht. Die verpflichtende Bandwurmbehandlung (gegen den Fuchsbandwurm Echinococcus) verlangen nur einzelne Länder wie Finnland, Irland, Malta und Norwegen – für Italien ist sie also nicht vorgeschrieben. Sinnvoll ist eine Entwurmung trotzdem. Was ich Ihnen für Süditalien ans Herz lege: ein Schutz gegen Mücken-übertragene Erkrankungen wie die Leishmaniose und je nach Region gegen Herzwurm – das planen wir am besten rechtzeitig vor der Abreise. Unser Reise-Check zeigt Ihnen die Anforderungen pro Land, und für die individuelle Vorbereitung kommen Sie am besten ein paar Wochen vorher einmal vorbei.

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