Der tägliche Blick in die Kotschale oder auf die Gassi-Tüte ist wenig glamourös, kann aber hilfreiche Veränderungen sichtbar machen. Konsistenz, Farbe, Menge und Häufigkeit des Kots können sich bei Futterwechseln, Darmerkrankungen und zahlreichen anderen Einflüssen verändern. Damit sich Veränderungen einheitlicher beschreiben lassen, hat sich eine Skala von 1 bis 5 bewährt – die etablierte WALTHAM-Einteilung.1
Der Kot-Score: eine Skala von 1 bis 5
Der Kot-Score (nach dem WALTHAM-Bewertungssystem, das unter anderem von Royal Canin für die Praxis aufbereitet wurde) beschreibt die Konsistenz des Kots auf einer Skala von 1 bis 5. Die 1 steht für sehr harten, trockenen, bröckeligen Kot, die 5 für gänzlich flüssigen Kot ohne jede Struktur. Dazwischen liegen in Halbschritten die Abstufungen.
In der vorliegenden WALTHAM-Vorlage gilt 2,5 als optimal; die Werte 2 und 3 sind als akzeptabel eingeordnet. Ein optimaler Kot ist klar geformt und lässt sich gut aufnehmen. Ist der Kot nicht einheitlich, wird nach der Gebrauchsanleitung der höhere, also weichere Wert notiert.1
Der große Vorteil dieser Skala: Sie können den Score zu Hause selbst bestimmen und uns bei Bedarf konkret nennen. „Seit drei Tagen etwa Score 4" ist für uns deutlich hilfreicher als „irgendwie weich".
Kot-Score
Hund
Beurteilen Sie von 1 (zu hart) bis 5 (zu weich). Optimal ist 2,5; die Werte 2 und 3 gelten als akzeptabel.
1Harter, trockener, bröckliger Kot
Zu hartZerbricht eher, als dass er sich zerdrücken lässt (Krümel).
2Trockener Kot mit klarer Segmentierung
AkzeptabelAußen sehr trocken, innen beinahe trocken. Hinterlässt beim Aufheben keinen Rückstand am Boden.
2,5Klar geformt mit erkennbarer Segmentierung
OptimalDer Zielwert: fest geformt, hinterlässt beim Aufheben nur sehr wenig Rückstand.
3Feuchter Kot mit beginnendem Formverlust
AkzeptabelDie Segmentierung ist noch sichtbar, die einzelnen Bestandteile sind aber kaum getrennt.
3,5Feuchter Kot ohne Segmentierung
Zu weichNoch geformt, die Bestandteile kleben aneinander.
4Weicher Kot ohne echte Form
Zu weichStarke Wasserbindung, aber noch kein freies „Kotwasser“ sichtbar.
4,5Nahezu flüssiger Kot
Zu weichNur noch minimale Konsistenz.
5Vollständig flüssiger Kot
Zu weichKeine Textur mehr.
Kot-Score bei der Katze
Bei der Katze gilt dieselbe Bewertungslogik. Typische Form und Festigkeit können sich jedoch durch Futter, Flüssigkeitsaufnahme und individuelle Unterschiede verändern. Wichtiger als ein einzelner Idealwert ist ein gut geformter Kot ohne Schmerzen sowie die Veränderung gegenüber dem persönlichen Normalzustand.
Kot-Score
Katze
Beurteilen Sie von 1 (zu hart) bis 5 (zu weich). Optimal ist 2,5; die Werte 2 und 3 gelten als akzeptabel.
1Harter, trockener, bröckliger Kot
Zu hartZerfällt beim Andrücken in einzelne Teile, ohne Schmierspuren zu hinterlassen.
2Geformter, harter Kot
AkzeptabelKlar definierte Segmente, außen und innen fast trocken. Hinterlässt beim Aufheben keinen Rückstand.
2,5Geformter, fester Kot
OptimalDer Zielwert: klare Form mit guter Segmentierung, Oberfläche darf leicht feucht sein. Beim Andrücken ist ein Widerstand spürbar.
3Weicher Kot, aber noch mit Form
AkzeptabelFeucht, ohne Segmentierung; die Teile kleben aneinander und hinterlassen einen Rückstand am Boden.
4Sehr weicher Kot
Zu weichSehr wässrig, aber noch nicht flüssig – Wasser bleibt zwischen den weichen Anteilen sichtbar.
5Flüssiger Kot
Zu weichGänzlich flüssig oder mit nur minimaler Konsistenz.
Besonderheiten bei Welpen und Jungtieren
Bei Welpen schwankt die Kotkonsistenz unter anderem mit Alter, Fütterung, Stress und Parasitenstatus. Ein pauschal höherer Wert sollte nicht allein wegen des Alters als normal gelten. Junge Tiere haben geringere Flüssigkeitsreserven und können bei Durchfall schneller austrocknen. Anhaltend weicher oder wässriger Kot, Trinkunlust, Erbrechen, Mattigkeit oder ein aufgeblähter Bauch gehören deshalb zeitnah tierärztlich abgeklärt.
Kot-Score
Welpe
Auch beim Welpen liegt der Zielwert bei 2,5. Weil die Bewertung stark vom Alter abhängt, fasst die Vorlage einige Werte zusammen.
- 1
Geformter, trockener und harter Kot
Zu hart
- 2
Geformt und trocken, aber nicht hart
Akzeptabel
Zylindrisch, in Kügelchen aufgeteilt; die härteren Anteile lassen sich zerkleinern, weichere kleben leicht aneinander.
- 2,5
Weicher, geformter Kot
Optimal
Der Zielwert beim Welpen: weicher, aber geformter Kot – zylindrisch, teils mit Einschnürungen.
- 3 – 4
Weicher, überwiegend ungeformter Kot
Akzeptabel
Breiig, teils noch mit erkennbarer Form. Wie lange das tolerabel ist, hängt vom Alter ab – im Auge behalten.
- 4,5 – 5
Weicher bis flüssiger Kot
Zu weich
Die Hauptmenge des Kots ist weich oder flüssig.
Welcher Wert noch akzeptabel ist, hängt beim Welpen vom Alter ab. Anhaltend weicher Kot (ab Wert 3) sollte trotzdem immer abgeklärt werden – junge Tiere trocknen bei Durchfall schnell aus.
Nicht nur die Konsistenz zählt
Der Score beschreibt die Konsistenz – für das Gesamtbild lohnt sich aber auch ein Blick auf Farbe, Beimengungen und Häufigkeit:
- Farbe: Ein mittleres bis dunkles Braun ist häufig normal. Schwarzer, teerartiger Kot (Meläna) spricht meist für verdautes Blut aus einem weiter vorn gelegenen Abschnitt des Verdauungstrakts, frisches, hellrotes Blut (Hämatochezie) häufiger für Dick- oder Enddarm. Diese Zuordnung ist nicht absolut. Teerkot, größere oder wiederholte Blutmengen und Blut bei einem beeinträchtigten Tier sind dringend abzuklären.2
- Schleim: Kleine Mengen kommen vor; deutliche Schleimauflagerungen sprechen für eine Reizung des Dickdarms.
- Sichtbare Bestandteile: Wurmglieder (reiskorn- bis bandnudelartig), unverdaute Futterreste oder Fremdkörper (Verpackung, Spielzeug, viel Gras) sind ein Grund, genauer hinzusehen.
- Häufigkeit und Menge: Deutlich größere Kotmengen oder häufigerer Absatz können auf eine gestörte Verdauung im Dünndarm hindeuten, häufiger kleiner Absatz mit Drängen eher auf den Dickdarm.
Wann gehört weicher Kot in die Praxis?
Ein einzelner weicher Haufen bei einem ansonsten munteren, fitten erwachsenen Tier kann vorübergehend sein. Beobachten Sie Ihr Tier, bieten Sie Wasser an und vermeiden Sie abrupte Futterwechsel. Lassen Sie Katzen und Welpen nicht ohne tierärztliche Anweisung fasten und geben Sie nicht über längere Zeit eine unausgewogene „Schonkost".
Rufen Sie sofort an beziehungsweise stellen Sie Ihr Tier je nach telefonischer Einschätzung dringend vor bei:
- schwarzem Teerkot, größeren oder wiederholten Mengen frischen Blutes oder starkem, schwallartigem Durchfall,
- spürbarer Beeinträchtigung: Apathie, Fieber, wiederholtem Erbrechen, aufgeblähtem oder schmerzhaftem Bauch,
- Welpen, Senioren oder chronisch kranken Tieren – sie dekompensieren schneller,
- Durchfall, der länger als etwa zwei bis drei Tage anhält oder immer wiederkehrt,
- möglichen Anzeichen von Austrocknung, etwa klebrigen Schleimhäuten, eingesunkenen Augen oder deutlicher Schwäche. Eine verzögert verstreichte Hautfalte kann ein Hinweis sein, ist allein aber besonders bei alten, sehr dünnen oder übergewichtigen Tieren unzuverlässig.
Eine kleine einmalige hellrote Blutspur bei einem sonst fitten erwachsenen Tier ist nicht automatisch ein lebensbedrohlicher Notfall, sollte aber telefonisch eingeordnet und bei Wiederholung untersucht werden.
Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh anrufen. Am Telefon können wir einschätzen, ob Beobachten ausreicht oder ein Termin sinnvoll ist.
Die Kotprobe richtig sammeln
Bei Verdacht auf Darmparasiten verbessert eine Sammelkotprobe über drei aufeinanderfolgende Tage den Nachweis von Helmintheneiern, weil diese nicht gleichmäßig ausgeschieden werden. Auch eine negative Sammelprobe schließt einen Befall nicht vollständig aus, besonders bei Bandwürmern.3 Für Giardia-Antigen, PCR, Kultur oder andere Fragestellungen können andere Anforderungen an Frische, Lagerung und Einzelproben gelten. Folgen Sie deshalb der konkreten Anweisung der Praxis oder des Labors.
So sammeln Sie richtig:
- pro Tag etwa eine walnussgroße Menge frischen Kots in ein sauberes Gefäß oder einen Kotprobenbehälter geben,
- die Probe kühl (Kühlschrank) und gut verschlossen lagern,
- möglichst frisch und nicht mit Katzenstreu oder Erde vermengt,
- mit Namen und Datum beschriften.
Was wir im Labor untersuchen
Je nach Fragestellung kommen mikroskopische Verfahren wie Flotation oder Sedimentation, Giardia-Antigentests und gegebenenfalls weitere Laborverfahren zum Einsatz. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt vom vermuteten Erreger und vom klinischen Bild ab. Ein Giardia-Antigentest ist nicht in jeder Situation pauschal sensitiver als eine fachgerecht durchgeführte Mikroskopie; beide Verfahren können sich ergänzen, und ein positives Antigenergebnis muss im klinischen Zusammenhang beurteilt werden.3
ESCCAP nennt für Tiere, deren individuelles Risiko nicht genau eingeschätzt werden kann, mindestens vier Kotuntersuchungen oder Entwurmungen pro Jahr als Orientierung. Bei hohem Risiko können kürzere, bei sehr niedrigem Risiko andere risikobasierte Intervalle sinnvoll sein. Entscheidend sind Lebensweise, Beutefang, Rohfütterung, Kontakt zu Artgenossen und besonders gefährdete Menschen im Haushalt.3
Was Sie für eine gute Kotqualität tun können
- Futter konstant halten: Ein plötzlicher Futterwechsel ist eine der häufigsten Ursachen für weichen Kot. Stellen Sie neues Futter über etwa eine Woche schrittweise um.
- Qualität und Menge an Alter, Aktivität und Gesundheit anpassen; Essensreste und ständig wechselnde Leckerlis meiden.
- Frisches Wasser immer verfügbar halten.
- Parasiten diagnostisch berücksichtigen – Würmer und Giardia sind mögliche Ursachen wiederkehrend weichen Kots, aber nicht bei jedem Tier die wahrscheinlichste Erklärung.
- Bei wiederkehrenden Problemen lieber gezielt untersuchen lassen, statt lange selbst zu experimentieren.
Kurz gesagt
Der Kot-Score ist ein einfaches Hilfsmittel, um Veränderungen nachvollziehbar zu beschreiben; in der verwendeten Skala gilt 2,5 als optimal, 2 und 3 als akzeptabel. Achten Sie neben der Konsistenz auch auf Farbe, Beimengungen, Häufigkeit und Allgemeinbefinden. Bei einer parasitologischen Kotuntersuchung verbessert eine dreitägige Sammelprobe häufig die Aussagekraft; für andere Tests gelten möglicherweise andere Probenvorgaben.
Quellen und Fußnoten
-
Royal Canin / WALTHAM: „Faeces Scoring System“, 1–5-Skala (Praxisvorlage). ↩ ↩2
-
Merck Veterinary Manual: The Digestive System in Animals. Die Lokalisation von Meläna und Hämatochezie ist im Text bewusst als typische, nicht absolute Zuordnung formuliert. ↩
-
ESCCAP Deutschland: Kotuntersuchung oder Entwurmen? und Empfehlung Nr. 1 – Bekämpfung von Helminthen bei Hunden und Katzen, Fassung 2025. ↩ ↩2 ↩3



