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Diagnostik & Vorsorge

Herzerkrankungen bei Hund und Katze früh erkennen

Herzerkrankungen bleiben bei Hund und Katze oft lange unbemerkt. Welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten, wie Herzultraschall und NT-proBNP bei der Diagnose helfen und warum die Atemfrequenz im Schlaf so aufschlussreich ist.

Herzerkrankungen bei Hund und Katze früh erkennen

Ein Hund, der auf dem Spaziergang häufiger stehen bleibt; eine Katze, die sich mehr zurückzieht und schneller atmet — Herzerkrankungen kündigen sich oft nur leise an. Viele Hunde und Katzen mit einer Herzerkrankung wirken lange gesund. Das Herz gleicht Veränderungen zunächst aus, und besonders Katzen zeigen Beschwerden oft erst spät. Ein Herzgeräusch bei der Vorsorge, eine langsam nachlassende Ausdauer oder eine schnellere Atmung im Schlaf können deshalb wichtige frühe Hinweise sein.

Eine frühe Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass sofort Medikamente nötig sind. Sie zeigt aber, welche Erkrankung vorliegt, wie weit sie fortgeschritten ist und in welchen Abständen kontrolliert werden sollte. Bei bestimmten Erkrankungsstadien kann eine rechtzeitig begonnene Behandlung die beschwerdefreie Zeit deutlich verlängern.

Die häufigsten Herzerkrankungen

„Herzerkrankung“ ist ein Sammelbegriff. Bei Hund und Katze stehen unterschiedliche Veränderungen im Vordergrund.

Die drei häufigsten Formen

Wie sich das Herz verändert

Bei Hund und Katze steht meist eine dieser drei Veränderungen im Vordergrund.

  • Schematische Darstellung: Mitralklappeninsuffizienz

    Mitralklappen­insuffizienz

    Häufigste Herzerkrankung des Hundes

    Eine Herzklappe wird undicht — bei jedem Herzschlag fließt Blut in die falsche Richtung zurück (Pfeile).

  • Schematische Darstellung: Dilatative Kardiomyopathie

    Dilatative Kardiomyopathie

    Vor allem große Hunderassen

    Der Herzmuskel dehnt sich: vergrößerte, kugelförmige Kammern mit dünnen, schwachen Wänden.

  • Schematische Darstellung: Hypertrophe Kardiomyopathie

    Hypertrophe Kardiomyopathie

    Häufigste Herzmuskel­erkrankung der Katze

    Die Muskelwände verdicken sich — die Kammer kann sich schlechter mit Blut füllen.

Schematische Darstellungen — die tatsächliche Diagnose und Einordnung erfolgt über die tierärztliche Untersuchung und den Herzultraschall.

Undichte Mitralklappe beim Hund

Die myxomatöse Mitralklappenerkrankung – auch Mitralklappenendokardiose genannt – ist die häufigste erworbene Herzerkrankung des Hundes. Besonders oft betrifft sie ältere, eher kleine Hunde; der Cavalier King Charles Spaniel hat ein erhöhtes Risiko.

Die Mitralklappe liegt zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Verändert sie sich, schließt sie nicht mehr vollständig und bei jedem Herzschlag fließt ein Teil des Blutes zurück. Dies verursacht meist ein Herzgeräusch. Über längere Zeit können sich Vorhof und Herzkammer vergrößern. Erst wenn sich Blut bis in die Lungengefäße zurückstaut und Flüssigkeit in das Lungengewebe austritt, spricht man von einer Herzinsuffizienz mit Lungenödem.

Dilatative Kardiomyopathie beim Hund

Bei der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) verliert der Herzmuskel an Kraft. Die Herzkammern können sich erweitern, während die Pumpleistung abnimmt. Herzrhythmusstörungen können hinzukommen und bei manchen Hunden schon auftreten, bevor im Alltag eine Leistungsschwäche auffällt.

DCM kommt vor allem bei einigen großen und sehr großen Rassen gehäuft vor, darunter Dobermann, Deutsche Dogge, Irischer Wolfshund und Neufundländer. Für besonders gefährdete Rassen können regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Herzultraschall und – je nach Rasse – einem Langzeit-EKG sinnvoll sein, auch wenn der Hund noch völlig gesund erscheint.

Hypertrophe Kardiomyopathie bei der Katze

Bei Katzen ist die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) die häufigste primäre Herzmuskelerkrankung. Dabei verdickt sich die Wand der linken Herzkammer. Vor der Diagnose einer primären HCM müssen andere mögliche Ursachen einer Verdickung – insbesondere Bluthochdruck und Schilddrüsenüberfunktion, je nach Fall auch weitere Erkrankungen – berücksichtigt werden. Die Kammer kann sich schlechter füllen, der Druck im linken Vorhof steigt und der Vorhof kann sich vergrößern. Mögliche Folgen sind eine Herzinsuffizienz mit Flüssigkeit in der Lunge oder im Brustkorb sowie Blutgerinnsel, die in den Körperkreislauf gelangen.1

Eine häufig zitierte populationsbezogene Schätzung liegt bei etwa 15 Prozent: In der CatScan-Studie wurden 14,7 Prozent von 780 äußerlich gesunden Katzen aus britischen Vermittlungszentren als betroffen eingestuft.1 Dieser Wert ist eine Schätzung aus einer bestimmten Population, keine feste Häufigkeit für jede Katzenpopulation. Viele betroffene Katzen haben zunächst keine Beschwerden. Bei Maine Coon und Ragdoll sind erbliche Risikovarianten bekannt. Ein Gentest erfasst jedoch nur bestimmte Varianten und kann einen Herzultraschall weder ersetzen noch eine Erkrankung allein beweisen oder ausschließen.

Welche Warnzeichen Sie kennen sollten

Die Anzeichen sind häufig unspezifisch und können mit normalen Altersveränderungen, Übergewicht oder einer Erkrankung der Atemwege verwechselt werden.

Beim Hund können auffallen:

  • nachlassende Ausdauer, weniger Freude an Spaziergängen oder Spiel
  • ungewöhnliche Müdigkeit und längere Erholungszeiten
  • schnellere oder angestrengte Atmung in Ruhe
  • Husten, besonders nachts, nach dem Liegen oder bei Belastung
  • Schwächeanfälle oder kurze Bewusstlosigkeit
  • verminderter Appetit oder Gewichtsverlust bei fortgeschrittener Erkrankung

Husten ist beim Hund ein wichtiger Hinweis, aber kein Beweis für eine Herzinsuffizienz. Erkrankungen der Luftröhre und Bronchien verursachen ihn ebenfalls – gerade bei älteren kleinen Hunden sogar häufig.

Bei der Katze sind die Zeichen oft dezenter:

  • schnellere oder angestrengte Atmung
  • weniger Aktivität, Rückzug und vermehrtes Schlafen
  • nachlassender Appetit
  • Schwäche oder Kollaps

Katzen mit Herzerkrankungen husten nur selten. Das Fehlen von Husten ist daher keine Entwarnung. Auch ein unauffälliges Abhören schließt eine Kardiomyopathie nicht sicher aus: Manche erkrankten Katzen haben kein hörbares Herzgeräusch.

Wann es ein Notfall ist

Bitte suchen Sie umgehend tierärztliche Hilfe, wenn Ihr Tier:

  • deutlich angestrengt, sehr schnell oder mit gestrecktem Hals atmet
  • als Katze mit offenem Maul atmet oder hechelt
  • blasse, graue oder bläuliche Schleimhäute zeigt
  • zusammenbricht oder nicht wieder rasch zu sich kommt
  • plötzlich starke Schmerzen, Schwäche oder eine Lähmung der Hinterbeine entwickelt und die Pfoten kühl sind

Der letzte Punkt kann bei Katzen auf eine arterielle Thromboembolie hindeuten: Ein Blutgerinnsel verschließt dann meist die Gefäße zu den Hinterbeinen. Auch dies ist ein akuter Notfall. Halten Sie ein Tier mit Atemnot so ruhig wie möglich, vermeiden Sie unnötiges Festhalten und kündigen Sie sich auf dem Weg telefonisch in der Praxis oder im Notdienst an.

Die Atemfrequenz im Schlaf: ein wertvoller Wert für zu Hause

Bei einer Linksherzinsuffizienz kann eine steigende Atemfrequenz eines der frühesten zu Hause messbaren Zeichen sein. So zählen Sie richtig:

  1. Warten Sie, bis Ihr Tier ruhig schläft – nicht hechelt, schnurrt oder gerade träumt.
  2. Beobachten Sie den Brustkorb. Ein Heben und Senken zählt als ein Atemzug.
  3. Zählen Sie 30 Sekunden lang und verdoppeln Sie das Ergebnis.
  4. Notieren Sie den Wert regelmäßig, damit ein persönlicher Verlauf entsteht.

Bei gesunden Tieren, bei vielen Tieren mit noch symptomloser Herzerkrankung und bei gut eingestellter Herzinsuffizienz liegt die Atemfrequenz im Schlaf meist unter 30 Atemzügen pro Minute.2 Wichtiger als ein einzelner Wert ist der Trend. Liegt der Wert wiederholt über 30 oder deutlich über dem persönlichen Ausgangswert, kontaktieren Sie bitte die Praxis; der Messwert allein diagnostiziert keine Herzinsuffizienz. Bei sichtbar angestrengter Atmung warten Sie nicht mit weiteren Messungen, sondern behandeln die Situation als Notfall.

Wie ein Herzproblem abgeklärt wird

Ein einzelner Test beantwortet nicht alle Fragen. Eine zuverlässige Einordnung entsteht aus mehreren Bausteinen:

  • Klinische Untersuchung und Abhören: Herzgeräusch, Herzrhythmus, Puls, Atmung und Schleimhautfarbe liefern erste Hinweise. Lautstärke und Erkrankungsschwere stimmen jedoch nicht immer überein.
  • Herzultraschall (Echokardiografie): Er zeigt Herzklappen, Wanddicke, Größe der Herzkammern, Blutfluss und Pumpfunktion. Für die genaue Diagnose und Stadieneinteilung ist er die wichtigste Untersuchung. In unserer Praxis planen wir Ultraschalluntersuchungen bei entsprechender Fragestellung in Zusammenarbeit mit Spezialisten.
  • Röntgen des Brustkorbs: Es zeigt die Größe und Form des Herzens sowie vor allem, ob sich Flüssigkeit in der Lunge oder im Brustkorb befindet. Unser digitales Röntgen ergänzt den Herzultraschall, ersetzt ihn aber nicht.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Es erfasst Herzrhythmusstörungen. Treten diese nur zeitweise auf, kann ein Langzeit-EKG über 24 Stunden oder länger nötig sein.
  • Blutdruck und Laborwerte: Besonders bei Katzen müssen unter anderem Bluthochdruck und eine Schilddrüsenüberfunktion als Ursache oder Verstärker einer Herzmuskelverdickung geprüft werden. Blutwerte helfen außerdem, Begleiterkrankungen zu erkennen und eine Therapie sicher zu planen.

Was NT-proBNP aussagt – und was nicht

NT-proBNP ist ein Biomarker, der bei stärkerer Dehnung und Belastung des Herzmuskels vermehrt ins Blut abgegeben wird. Der Wert kann dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit einer bedeutsamen Herzerkrankung einzuschätzen oder bei Atemnot zwischen einer kardialen und einer nicht kardialen Ursache zu unterscheiden.

Der Test stellt jedoch keine genaue Herzdiagnose. Ein erhöhter Wert sagt nicht, welche Klappe oder welcher Herzmuskelabschnitt betroffen ist; auch die Nierenfunktion und andere Faktoren können das Ergebnis beeinflussen. Ein unauffälliger Wert schließt zudem nicht jede milde Herzerkrankung aus. NT-proBNP ist deshalb ein ergänzender Baustein – bei einem begründeten Verdacht bleibt der Herzultraschall entscheidend.

Warum das Stadium wichtiger ist als das Herzgeräusch allein

Bei der Mitralklappenerkrankung des Hundes unterscheiden Fachleitlinien mehrere Stadien. In Stadium B1 besteht zwar eine Klappenveränderung, das Herz ist aber noch nicht relevant vergrößert und der Hund hat keine Beschwerden. Meist sind dann regelmäßige Kontrollen, aber noch keine Herzmedikamente angezeigt. In Stadium B2 ist das Herz bereits messbar vergrößert, obwohl der Hund weiterhin symptomfrei sein kann.

Für nach den Studienkriterien geeignete Hunde im Stadium B2 zeigte die kontrollierte EPIC-Studie, dass Pimobendan den primären kombinierten Endpunkt im Median um 462 Tage verzögerte: 1.228 gegenüber 766 Tagen.3 Das entspricht ungefähr 15 Monaten. Genau deshalb ist die Bildgebung so wichtig: Am Geräusch allein lässt sich nicht entscheiden, ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Auch bei Katzen richtet sich das Vorgehen nicht allein nach dem Vorliegen einer HCM. Entscheidend sind unter anderem die Größe des linken Vorhofs, die Pump- und Füllungsfunktion, Herzrhythmusstörungen und das individuelle Risiko für eine Thromboembolie. Eine symptomfreie Katze benötigt nicht automatisch Medikamente, wohl aber einen passenden Kontrollplan.

Behandlung und Kontrollen werden individuell geplant

Viele erworbene Herzerkrankungen lassen sich nicht rückgängig machen. Ihr Verlauf und ihre Folgen können aber oft über längere Zeit gut beeinflusst werden. Je nach Diagnose und Stadium kommen Medikamente zur Unterstützung der Herzleistung, zur Entwässerung bei einer Herzinsuffizienz, zur Kontrolle von Rhythmusstörungen oder zur Senkung des Thromboserisikos zum Einsatz. Auch Begleiterkrankungen und das Körpergewicht spielen eine Rolle.

Bitte beginnen, verändern oder beenden Sie Herzmedikamente nie ohne Rücksprache. Dosierung und Kombination hängen vom genauen Befund ab und müssen durch klinische Kontrollen, Bildgebung und gegebenenfalls Blutuntersuchungen überwacht werden.

Bei jeder allgemeinen Vorsorgeuntersuchung sollte das Herz abgehört werden. Für ältere Tiere, Tiere mit einem auffälligen Befund und Rassen mit erhöhtem Risiko können kürzere Kontrollabstände oder gezielte Screening-Untersuchungen sinnvoll sein. Wenn Ihnen zu Hause Veränderungen an Atmung, Belastbarkeit oder Verhalten auffallen, warten Sie nicht bis zum nächsten Routinetermin – eine frühe Abklärung schafft Klarheit und kann wertvolle beschwerdefreie Zeit gewinnen.

Kurz gesagt

Herzerkrankungen entwickeln sich bei Hund und Katze oft lange unbemerkt. Nehmen Sie Warnzeichen wie nachlassende Ausdauer, nächtlichen Husten (Hund), vermehrten Rückzug (Katze) oder eine schnellere Atmung im Schlaf ernst. Ein einfacher Wert für zu Hause ist die Schlaf-Atemfrequenz – meist unter 30 Atemzügen pro Minute, wobei der Verlauf mehr zählt als die Einzelmessung. Lassen Sie das Herz bei jeder Vorsorge abhören; für die genaue Diagnose und den richtigen Behandlungszeitpunkt ist der Herzultraschall entscheidend, ergänzt durch Röntgen und NT-proBNP. Bei angestrengter Atmung, blassen oder bläulichen Schleimhäuten, Kollaps oder plötzlich gelähmten, kalten Hinterbeinen (Katze) zählt jede Minute: bitte sofort in die Praxis oder den Notdienst.

Weitere Quellen:

  • IDEXX-Patienteninformation „Herzerkrankungen bei Hund und Katze – Der äußere Schein kann trügen“.
  • Keene BW et al. (2019): ACVIM consensus guidelines for the diagnosis and treatment of myxomatous mitral valve disease in dogs. J Vet Intern Med. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6524084/
  • Wess G et al. (2017): European Society of Veterinary Cardiology screening guidelines for dilated cardiomyopathy in Doberman Pinschers. J Vet Cardiol. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28965673/
  • Boswood A et al. (2008): The diagnostic accuracy of different natriuretic peptides in the investigation of canine cardiac disease. J Small Anim Pract. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18005104/

Quellen und Fußnoten

  1. Luis Fuentes V et al. (2020): ACVIM-Konsensus zu Kardiomyopathien der Katze; Payne JR et al. (2015): CatScan-Studie. 2

  2. Porciello F et al. (2016): Sleeping and resting respiratory rates in dogs and cats with medically controlled left-sided congestive heart failure.

  3. Boswood A et al. (2016): EPIC-Studie.

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