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Diagnostik & Vorsorge

Impfungen bei Hund und Katze: So entsteht ein individueller Impfplan

Nicht jedes Tier braucht jedes Jahr jede Impfung – aber jedes Tier braucht einen verlässlichen Grundschutz und eine regelmäßige Risikoprüfung. Wir erklären, welche Impfungen in Deutschland als Basis gelten, warum Welpen und Kitten mehrere Termine benötigen und wie aus Alter, Haltung, Kontakten und Reiseplänen ein sinnvoller Impfplan entsteht.

Impfungen bei Hund und Katze: So entsteht ein individueller Impfplan

Ein guter Impfplan ist weder eine starre Standardliste noch eine möglichst kleine Auswahl. Sein Ziel ist, gefährliche Infektionskrankheiten zuverlässig zu verhindern und dabei nur so häufig und so umfangreich wie nötig zu impfen. Genau dieses Prinzip formuliert die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin, kurz StIKo Vet: möglichst viele Tiere schützen, das einzelne Tier aber nicht öfter als erforderlich impfen.1

„Individuell“ bedeutet deshalb nicht, dass wissenschaftliche Empfehlungen beliebig wären. Ein vollständiger Grundschutz bleibt zentral. Individuell entschieden wird vor allem, welche zusätzlichen Risiken für Ihr Tier bestehen und wann welche Komponente wieder aufgefrischt werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundimmunisierung zuerst: Bei Welpen und Kitten sind mehrere Impfungen nötig, weil mütterliche Antikörper die Wirkung früher Impfungen noch blockieren können.
  • Core heißt Grundschutz: Diese Impfungen richten sich gegen Erkrankungen, vor denen nach deutscher Empfehlung grundsätzlich jedes Tier geschützt sein sollte.
  • Non-Core heißt risikobasiert: Ob zusätzliche Impfungen sinnvoll sind, hängt zum Beispiel von Freigang, Tierkontakten, Pension, Hundeschule, Zucht oder Reisen ab.
  • Nicht alles wird jährlich aufgefrischt: Manche Impfkomponenten vermitteln einen langjährigen Schutz, andere benötigen kürzere Intervalle. Maßgeblich sind Leitlinie, individuelle Situation und die Gebrauchsinformation des eingesetzten Impfstoffs.
  • Ein Impftermin ist auch ein Gesundheitstermin: Vor jeder Impfung wird geprüft, ob das Tier aktuell impffähig ist.
  • Ein abgelaufener Impfpass bedeutet nicht automatisch, dass jede Serie von vorn beginnt. Das weitere Vorgehen hängt vom Alter, der dokumentierten Vorgeschichte und der konkreten Impfkomponente ab.

Was bedeuten Core und Non-Core?

Core-Impfungen bilden den empfohlenen Grundschutz. Die betreffenden Krankheiten können schwer oder tödlich verlaufen, sind epidemiologisch bedeutsam oder lassen sich durch Impfung besonders sinnvoll kontrollieren.

Non-Core-Impfungen sind keine Impfungen „zweiter Klasse“. Sie können für ein exponiertes Tier sehr wichtig sein, werden aber nicht bei jedem Tier automatisch benötigt. Ein Hund mit engem Kontakt zu vielen Artgenossen hat beispielsweise ein anderes Atemwegsrisiko als ein Hund ohne solche Kontakte. Eine Freigängerkatze ist gegenüber dem Felinen Leukämievirus anders exponiert als eine dauerhaft allein gehaltene Wohnungskatze.12

Impf-Orientierung

Grundimmunisierung & Auffrischung

Orientierung. Der konkrete Plan richtet sich nach Impfpass, eingesetztem Impfstoff und Gesundheitszustand Ihres Tieres — keine automatische Impfentscheidung.

Grundimmunisierung (Core)

  1. 8. Woche
    • Staupe
    • Parvovirose
    • Leptospirose
  2. 12. Woche
    • Staupe
    • Parvovirose
    • Leptospirose
  3. 16. Woche
    • Staupe
    • Parvovirose
  4. 15. MonatAbschluss
    • Staupe
    • Parvovirose
    • Leptospirose

Nach der Grundimmunisierung

Langlebiger Grundschutz

  • Staupe & Parvovirose

    Nach abgeschlossener Grundimmunisierung sehen die Gebrauchsinformationen je nach Produkt Intervalle von einem bis drei Jahren vor.

Regelmäßig prüfen

  • Leptospirose

    Wird nach deutscher Leitlinie jährlich aufgefrischt.

  • Tollwut

    In Deutschland keine Core-Impfung, aber für Reisen entscheidend. Maßgeblich ist die im Heimtierausweis dokumentierte Gültigkeit.

  • Zwingerhusten, Borreliose, Leishmaniose

    Non-Core: nur bei entsprechendem Risiko (viele Hundekontakte, Pension, Zeckenlast, Reisen in Endemiegebiete) — als Gesprächsanlass, nicht automatisch.

Welche Impfungen gehören beim Hund zum Grundschutz?

Nach der deutschen StIKo-Vet-Leitlinie von 2025 gelten beim Hund folgende Komponenten als Core:1

  • Staupe: eine hoch ansteckende Virusinfektion, die unter anderem Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem schädigen kann
  • Parvovirose: eine besonders für junge Hunde gefährliche Virusinfektion mit schwerem Erbrechen, Durchfall, Blutbildveränderungen und Kreislaufproblemen
  • Leptospirose: eine bakterielle Infektion, die insbesondere Nieren und Leber schädigen kann und außerdem zoonotisches Potenzial besitzt

Die Hepatitis contagiosa canis (HCC) ist in Westeuropa durch konsequentes Impfen nur noch sehr selten. Die StIKo Vet führt die HCC-Impfung deshalb nicht mehr als unbedingte Core-Komponente. Viele Kombinationsimpfstoffe enthalten dennoch eine Adenovirus-Komponente; üblicherweise wird dafür Canines Adenovirus Typ 2 verwendet, das zugleich einen Kreuzschutz gegen die durch Typ 1 verursachte HCC vermittelt.1

Die Tollwutimpfung gilt im terrestrisch tollwutfreien Deutschland nicht mehr als Core-Impfung. Sie bleibt jedoch für grenzüberschreitende Reisen entscheidend und kann nach einem Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier rechtlich relevant sein. Für Reisen innerhalb der EU müssen Hunde, Katzen und Frettchen identifiziert sein, ein gültiges Reisedokument besitzen und einen gültigen Tollwutschutz nachweisen. Nach einer erstmaligen, vollständigen Tollwutimpfung beginnt die rechtliche Gültigkeit grundsätzlich frühestens 21 Tage später; eine rechtzeitig innerhalb der bisherigen Gültigkeit erfolgte Wiederholungsimpfung gilt ohne neue Wartefrist.3

Welche zusätzlichen Impfungen können beim Hund sinnvoll sein?

Die Entscheidung richtet sich nach dem tatsächlichen Expositionsrisiko:

  • Bordetella bronchiseptica und Canines Parainfluenzavirus: können bei engem Kontakt zu vielen Hunden sinnvoll sein, etwa in Welpengruppe, Hundeschule, Tagesbetreuung, Tierpension oder Tierheim. Die Impfungen verringern vor allem Erkrankungsschwere und Erregerausscheidung; sie verhindern nicht zuverlässig jede Infektion des Atemwegskomplexes.
  • Lyme-Borreliose: kommt vor allem bei Hunden mit hoher Zeckenexposition in Betracht. Auch bei geimpften Hunden bleibt ein wirksamer Zeckenschutz unverzichtbar.
  • Leishmaniose: kann bei längerem Aufenthalt oder regelmäßigem Reisen in Endemiegebiete, insbesondere im Mittelmeerraum, ein Baustein der Vorsorge sein. Die Impfung ersetzt den Schutz vor Sandmücken nicht.
  • Canines Herpesvirus: ist eine Spezialimpfung für Zuchthündinnen und kein regulärer Bestandteil des Impfplans eines Familienhundes.

Welche Produkte verfügbar sind, ab welchem Alter sie eingesetzt werden dürfen und wie lange vor einer erwarteten Exposition sie gegeben werden müssen, unterscheidet sich. Eine geplante Pension oder Reise sollte deshalb frühzeitig angesprochen werden.1

Welche Impfungen gehören bei der Katze zum Grundschutz?

Bei Katzen gelten nach StIKo Vet drei Komponenten als Core – häufig zusammengefasst als RCP:1

  • R – Felines Herpesvirus (FHV): ein wichtiger Erreger des Katzenschnupfenkomplexes
  • C – Felines Calicivirus (FCV): ebenfalls am Katzenschnupfenkomplex beteiligt; es existieren zahlreiche Virusvarianten
  • P – Felines Panleukopenievirus (FPV): Erreger der Katzenseuche, einer besonders bei Jungtieren oft schweren oder tödlichen Erkrankung

Auch Wohnungskatzen sollten einen solchen Grundschutz erhalten. Panleukopenieviren sind in der Umwelt sehr widerstandsfähig und können indirekt eingeschleppt werden. Außerdem können sich Haltung und Kontakte im Laufe eines Katzenlebens ändern – etwa durch einen Umzug, eine entlaufene Katze, einen Klinikaufenthalt oder ein neues Tier im Haushalt.

Die Impfungen gegen Herpes- und Caliciviren verhindern nicht jede Infektion. Sie sollen vor allem die Schwere klinischer Erkrankungen verringern. Eine bereits mit Herpesvirus infizierte Katze kann trotz Impfung Virusträgerin bleiben.12

Welche zusätzlichen Impfungen können bei der Katze sinnvoll sein?

Felines Leukämievirus (FeLV)

Die FeLV-Impfung wird bei relevantem Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Infektionsstatus empfohlen – insbesondere bei Freigang oder engem Kontakt zu wechselnden Katzen. Vor der ersten Impfung sollte der FeLV-Status bekannt sein, denn eine bereits infizierte Katze profitiert nicht von der Impfung. Die Grundimmunisierung besteht bei den meisten verfügbaren Impfstoffen aus zwei Dosen im Abstand von drei bis vier Wochen und einer weiteren Impfung etwa ein Jahr später. Danach werden Risiko und Impfbedarf regelmäßig neu bewertet.1

Junge Katzen sind für eine fortschreitende FeLV-Infektion besonders empfänglich. Mit zunehmendem Alter – die StIKo Vet nennt als Orientierung etwa fünf bis sieben Jahre – kann bei unverändertem Lebensstil erneut geprüft werden, ob das Expositionsrisiko die weitere Impfung rechtfertigt. Das ist kein automatisches „Absetzalter“.1

Weitere Non-Core-Impfungen

Impfungen gegen Chlamydia felis oder Bordetella bronchiseptica kommen vor allem in größeren Katzengruppen und bei bekannten Bestandsproblemen infrage. Für eine durchschnittlich gehaltene Einzelkatze gehören sie nicht zum Routineplan. Die in Deutschland verfügbare FIP-Impfung wird von StIKo Vet und WSAVA wegen der stark eingeschränkten beziehungsweise unzureichend belegten Schutzwirkung nicht empfohlen.12

Auch bei Katzen ist die Tollwutimpfung vor allem für Reisen und bestimmte rechtliche Situationen wichtig.

Warum brauchen Welpen und Kitten mehrere Impfungen?

Neugeborene erhalten über die erste Muttermilch, das Kolostrum, Antikörper der Mutter. Diese schützen anfangs, werden aber nach und nach abgebaut. In einer Übergangsphase können sie schon zu niedrig sein, um das Jungtier sicher vor einer Infektion zu schützen, aber noch hoch genug, um einen Impfstoff zu neutralisieren. Wann dieses Zeitfenster endet, ist von Tier zu Tier verschieden.12

Die wiederholten Impfungen in den ersten Lebensmonaten sind daher nicht einfach identische „Booster“. Sie erhöhen die Chance, genau den Zeitpunkt zu treffen, an dem die mütterlichen Antikörper nicht mehr stören und das Jungtier eine eigene Immunantwort aufbauen kann. Besonders wichtig ist die letzte Dosis der frühen Core-Serie im Alter von mindestens 16 Wochen.2

Orientierung für die Grundimmunisierung beim Hund

Die StIKo Vet empfiehlt für einen regulär gestarteten Welpen folgende Core-Komponenten:1

  • 8. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose und Leptospirose
  • 12. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose und Leptospirose
  • 16. Lebenswoche: Staupe und Parvovirose
  • 15. Lebensmonat: Staupe, Parvovirose und Leptospirose; damit wird die Grundimmunisierung abgeschlossen

Die inaktivierte Leptospirosekomponente benötigt zur Grundimmunisierung zwei passend aufeinanderfolgende Anwendungen. Weil sich die Antigenzusammensetzung verschiedener Leptospiroseimpfstoffe unterscheiden kann, sollte ein Produktwechsel mitten in dieser Serie vermieden oder gezielt tierärztlich eingeordnet werden.1

Tollwut und risikobasierte Impfungen werden passend zu Lebensstil, Reiseplan, Mindestalter und Produktinformation ergänzt. Das oben genannte Schema ist deshalb eine fachliche Orientierung, keine aus dem Internet übertragbare Terminanweisung.

Orientierung für die Grundimmunisierung bei der Katze

Für die RCP-Core-Komponenten empfiehlt StIKo Vet:1

  • 8. Lebenswoche: Herpesvirus, Calicivirus und Panleukopenie
  • 12. Lebenswoche: Herpesvirus, Calicivirus und Panleukopenie
  • 16. Lebenswoche: Herpesvirus, Calicivirus und Panleukopenie
  • 15. Lebensmonat: Herpesvirus, Calicivirus und Panleukopenie; damit wird die Grundimmunisierung abgeschlossen

Bei einzelnen Kitten können mütterliche Antikörper sogar über die 16. Lebenswoche hinaus stören. In besonderen Hochrisikosituationen oder bei einer versäumten 16-Wochen-Impfung kann deshalb eine zusätzliche Impfung oder eine Antikörperbestimmung gegen Panleukopenie sinnvoll sein.12

Eine FeLV-Impfserie wird bei entsprechendem Risiko gesondert geplant und erst nach Einordnung des Infektionsstatus begonnen.

Warum nennen manche Empfehlungen schon einen Termin mit etwa sechs Monaten?

Die internationale WSAVA-Leitlinie von 2024 empfiehlt eine zusätzliche Core-Dosis ab einem Alter von 26 Wochen, statt bei jedem Jungtier bis zum Alter von 12 bis 16 Monaten zu warten. Damit soll die kleine Gruppe früher geschützt werden, bei der mütterliche Antikörper noch die 16-Wochen-Impfung gestört haben. Die deutsche StIKo Vet sieht regulär den Abschluss mit 15 Monaten vor.12

Das sind unterschiedliche fachliche Leitlinienkonzepte, keine Einladung, beide Schemata eigenständig zu vermischen. Bei hohem Infektionsdruck, versäumter 16-Wochen-Impfung oder besonderem Sicherheitsbedürfnis kann die Praxis eine zusätzliche Impfung oder für geeignete Core-Komponenten eine Antikörperkontrolle besprechen.

Wie geht es nach der Grundimmunisierung weiter?

Nach vollständig abgeschlossener Grundimmunisierung laufen die Komponenten nicht zwangsläufig im selben Takt:

  • Bei Hunden sehen die Gebrauchsinformationen für Staupe und Parvovirose je nach Produkt Wiederholungsintervalle von einem bis drei Jahren vor.
  • Die Leptospiroseimpfung wird nach deutscher Leitlinie jährlich wiederholt.
  • Bei Katzen werden RCP-Wiederholungen nach StIKo Vet in Abständen von bis zu drei Jahren empfohlen. Bei höherem Infektionsdruck – zum Beispiel regelmäßigem Aufenthalt in einer Katzenpension – kann für Herpes- und Calicivirus ein kürzeres Intervall sinnvoll sein.
  • FeLV, Atemwegsimpfungen und weitere Non-Core-Komponenten werden nur fortgeführt, solange das entsprechende Risiko besteht, und nach der zugelassenen Schutzdauer des Präparats.
  • Bei Tollwut zählt für Reisen die im Heimtierausweis dokumentierte Gültigkeit. Wird der Auffrischungstermin überschritten, gilt die nächste Impfung reiserechtlich wieder als Erstimpfung mit neuer Wartezeit.123

Der jährliche Vorsorgetermin bleibt also sinnvoll, auch wenn an diesem Tag nicht jedes Mal geimpft wird.

Was passiert bei unbekannter oder lückenhafter Impfhistorie?

Bringen Sie alle vorhandenen Impfpässe und Behandlungsunterlagen mit. Entscheidend sind dokumentierte Impfstoffe und Daten, nicht allein die Erinnerung, dass „irgendwann geimpft“ wurde.

Bei einem erwachsenen Tier ohne belastbare Dokumentation muss nicht automatisch jede frühe Welpenimpfung nachgestellt werden: Mütterliche Antikörper spielen dann keine Rolle mehr. Lebendimpfstoffe können bei bestimmten Core-Komponenten bereits nach einer Dosis eine Immunantwort auslösen; inaktivierte Impfstoffe benötigen häufig zwei korrekt beabstandete Dosen. Leptospirose und FeLV sind typische Beispiele, bei denen eine neue Zweifachserie erforderlich sein kann. Der konkrete Nachholplan richtet sich nach Tierart, Produkt, früheren Nachweisen und Risiko.12

Können Antikörpertiter Impfungen ersetzen?

Manchmal – aber nicht für jede Krankheit.

Bei erwachsenen Hunden kann der Nachweis von Antikörpern gegen Staupe, Parvovirose und Adenovirus eine bestehende Schutzwahrscheinlichkeit gut anzeigen. Bei Katzen ist dies vor allem für Panleukopenie sinnvoll. Eine solche Messung kann bei unklarer Historie, nach einer früheren schweren Impfreaktion oder zur Entscheidung über bestimmte Wiederholungsimpfungen hilfreich sein.2

Für Leptospirose, Herpes- und Calicivirus, FeLV und viele andere Komponenten lässt sich der klinische Schutz aus einem Routinetiter dagegen nicht in gleicher Weise ableiten. Ein Tollwut-Antikörpertest ersetzt außerdem nicht die für Reisen vorgeschriebene gültige Impfung. Eine gesetzlich geforderte Titerbestimmung für bestimmte Drittländer ist eine eigene Reiseanforderung und keine allgemeine Impfentscheidung.23

Was wird vor einer Impfung geprüft?

Vor jeder Impfung gehören eine Anamnese und eine klinische Untersuchung dazu. Wichtig sind insbesondere:

  • aktueller Allgemeinzustand, Fieber oder akute Beschwerden
  • chronische Erkrankungen und laufende Behandlung
  • immunsuppressive Medikamente oder Chemotherapie
  • Trächtigkeit oder Zuchtplanung
  • frühere Impfreaktionen
  • Alter, Körpergewicht und Impfstatus
  • neue Tierkontakte, Freigang, Betreuung, Reisen oder Umzug

Eine leichte, gut eingeordnete Vorerkrankung ist nicht automatisch ein dauerhaftes Impfverbot. Bei akut deutlich erkrankten, immunsupprimierten oder trächtigen Tieren müssen Zeitpunkt und Impfstoffart jedoch besonders sorgfältig gewählt werden. Auch eine frühere Reaktion bedeutet nicht, dass künftig pauschal auf jeden Schutz verzichtet werden muss; sie gehört dokumentiert und in den nächsten Plan einbezogen.12

Welche Reaktionen können nach einer Impfung auftreten?

Vorübergehende Schmerzen oder eine kleine Schwellung an der Injektionsstelle, Müdigkeit, weniger Appetit oder leicht erhöhte Temperatur können auftreten und klingen meist rasch wieder ab. Schwerere Überempfindlichkeitsreaktionen wie Nesselsucht oder Anaphylaxie sind deutlich seltener.2

Kontaktieren Sie die Praxis zeitnah, wenn Ihr Tier ausgeprägt matt ist, wiederholt erbricht, starken Durchfall entwickelt, eine schmerzhafte oder zunehmende Schwellung zeigt oder die Beschwerden nicht rasch abklingen.

Atemnot, Kollaps, rasch zunehmende Gesichtsschwellung oder schwere Schwäche sind Notfälle. Suchen Sie sofort tierärztliche Hilfe.

Bei Katzen können sehr selten bösartige Tumoren an früheren Injektionsstellen entstehen. Deshalb werden Injektionsstellen dokumentiert und sorgfältig gewählt. Für einen Knoten gilt die sogenannte 3-2-1-Regel: Er sollte weiter untersucht werden, wenn er nach drei Monaten noch vorhanden ist, größer als zwei Zentimeter ist oder einen Monat nach der Injektion weiter wächst.4

Ein zeitlicher Zusammenhang beweist noch keine Ursache. Verdachtsfälle sollen dennoch gemeldet werden, damit seltene Risiken erkannt werden können. In Deutschland sammelt und bewertet das Paul-Ehrlich-Institut Meldungen zu immunologischen Tierarzneimitteln; auch Tierhaltende können einen Verdacht melden.5

Häufige Fragen

Muss mein Tier jedes Jahr „komplett“ geimpft werden?

Nein. Der Impfstatus sollte jährlich geprüft werden, die einzelnen Komponenten können aber unterschiedliche Intervalle haben. Jährlich erforderlich ist beim Hund nach deutscher Empfehlung insbesondere die Leptospirose-Auffrischung. Andere Komponenten können nach abgeschlossener Grundimmunisierung länger schützen.

Ist eine Wohnungskatze ohne Freigang überhaupt gefährdet?

Ihr Risiko ist geringer, aber nicht null. Der RCP-Grundschutz bleibt empfohlen. FeLV und andere Non-Core-Impfungen können bei einer dauerhaft allein gehaltenen Wohnungskatze dagegen entfallen, solange sich die Kontakte nicht ändern.

Kann man mehrere Impfungen an einem Termin geben?

Bei einem gesunden Tier können zugelassene Impfstoffe häufig am selben Termin verabreicht werden, sofern ihre Gebrauchsinformation dies erlaubt. Unterschiedliche Impfstoffe werden nicht eigenmächtig in einer Spritze gemischt und an getrennten Stellen verabreicht. Bei einem sehr kleinen Tier, mehreren Einzelimpfungen oder früheren Reaktionen kann ein aufgeteilter Plan erwogen werden; mehr Termine sind aber nicht automatisch sicherer oder medizinisch nötig.2

Bekommt ein kleiner Hund eine kleinere Impfdosis?

Nein. Impfstoffdosen werden nicht wie viele Medikamente einfach pro Kilogramm berechnet. Eine eigenmächtig reduzierte Dosis kann den Schutz gefährden und entspricht nicht der Zulassung. Besondere Risiken kleiner Hunde werden über Auswahl, Terminplanung und Beobachtung berücksichtigt, nicht über eine halbe Dosis.2

Reicht ein Antikörpertest nach einer Welpenserie?

Für Staupe und Parvovirose beim Hund beziehungsweise Panleukopenie bei der Katze kann eine Serologie ab etwa 20 Wochen und frühestens vier Wochen nach der letzten Impfung zeigen, ob eine aktive Antikörperantwort entstanden ist. Sie ersetzt nicht pauschal alle späteren Impfentscheidungen.2

So bereiten Sie das Impfgespräch vor

Bringen Sie mit:

  • alle Impfpässe und Vorbefunde
  • eine Liste aller Medikamente und Ergänzungsfuttermittel
  • Informationen zu früheren Reaktionen
  • geplante Reisen mit Ziel und Datum
  • Angaben zu Freigang, Hundeschule, Betreuung, Pension, Zucht und neuen Tieren im Haushalt

Aus diesen Informationen entsteht ein Plan, der nicht nur den nächsten Termin nennt, sondern erklärt, welche Krankheit mit welcher Komponente warum verhindert werden soll. Das ist der Kern einer guten Impfberatung.

Quellen und Fußnoten

  1. Arbeitskreis kleine Haustiere der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut (2025): Leitlinie zur Impfung von Kleintieren – 6. Auflage, publizierte Kurzfassung, vollständige Leitlinie in OPEN AGRAR und direkter PDF-Spiegel beim Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Maßgebliche deutsche Quelle für Core-/Non-Core-Einordnung, Grundimmunisierung, Wiederholungsintervalle und verfügbare Impfkomponenten; Stand 6. Januar 2025. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19

  2. Squires RA et al., Vaccination Guidelines Group der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) (2024): 2024 Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats. Herangezogen für maternale Antikörper, Abschluss der frühen Serie ab 16 Wochen, Serologie, individualisierte Wiederholungen, Impfreaktionen und Umgang mit Katzen-Injektionsstellen. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

  3. Europäische Union: Delegierte Verordnung (EU) 2026/133, anwendbar seit 22. April 2026, sowie Bayerisches Bundesportal: Reisen mit Haustieren; Erhalt eines Heimtierausweises. Maßgeblich für Identifikation, Dokument, Tollwutimpfung, 21-Tage-Frist und Gültigkeit bei Reisen innerhalb der EU. Für Drittländer sind zusätzliche, ziel- und rückreiseabhängige Regeln möglich. 2 3

  4. European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD), aktualisierte Fachleitlinie: Guideline for Feline Injection-Site Sarcoma. Quelle für Prävention, Dokumentation und 3-2-1-Regel.

  5. Paul-Ehrlich-Institut: Pharmakovigilanzberichte zu immunologischen Tierarzneimitteln und Informationen zum Melden unerwünschter Ereignisse. Spontanmeldungen sind Verdachtsmeldungen; ihre Anzahl erlaubt ohne verabreichte Dosen und Kausalitätsprüfung keine Aussage über eine individuelle Nebenwirkungsrate.

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Kommentare (1)

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  • Thomas B. · 25. Mai 2025

    Unsere Katze ist eine reine Wohnungskatze und hat keinen Kontakt zu anderen Tieren. Muss die wirklich jedes Jahr zur Impfung? Man liest ja viel über „Überimpfung“. Wäre eine Titerbestimmung nicht sinnvoller?

    Laura WichmannPraxisteam · 26. Mai 2025

    Eine sehr berechtigte Frage – und die Antwort ist erfreulicherweise nicht „jedes Jahr alles“. Auch eine reine Wohnungskatze braucht einen Grundschutz (Core), insbesondere gegen die Katzenseuche (Panleukopenie). Deren Erreger ist extrem widerstandsfähig und kann über Schuhe oder Kleidung in die Wohnung getragen werden – ganz ohne Tierkontakt. Nicht jede Komponente wird dabei jährlich aufgefrischt: Manche vermitteln einen mehrjährigen Schutz, andere brauchen kürzere Intervalle. Maßgeblich sind die Leitlinie, Ihre individuelle Situation und die Gebrauchsinformation des jeweiligen Impfstoffs. Für bestimmte Komponenten ist auch eine Titerbestimmung möglich, sie ersetzt aber nicht jede Impfung. Am sinnvollsten ist ein individueller Impfplan statt eines starren Jahresrhythmus. Bringen Sie den Impfausweis zum nächsten Termin mit, dann stellen wir das gemeinsam passgenau auf.

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